Geschichte

Borkwalde
 
Unser bunter Ort zum Leben – er hat eine vergleichsweise kurze Geschichte. So wie die Schwestergemeinde Borkheide. Die allermeisten Dörfer in unserer Region – nehmen wir nur die namesverwandten Alt-Bork bzw. Deutsch-Bork oder die für die Entstehung von Borkwalde wichtigen Nachbarorte Busendorf und Kanin – gründeten sich im Zuge der zweiten Phase der feudalen deutschen Ostexpansion zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert, als die hier ansässigen Slawen von den Deutschen endgültig vertrieben wurden und während der auch die Mark Brandenburg entstanden ist.
 
Borkwalde (ebenso Borkheide) sind keine natürlich gewachsenen Dörfer. Vielmehr wurde schon sehr frühzeitig der außerordentlich hohe Freizeitwert entdeckt: Waren es zunächst Jäger und Jagdpächter in dem einen Ort, der ihre Begeisterung weckte, so zog es Naturliebende, vor allem aus der Hauptstadt Berlin, nach Borkwalde. Dorthin drängte es aber auch so manchen, der unter der großen Wohnungsnot in Berlin und anderenorts litt. Die in der deutschen Metropole ansässige Familie Bredereck erwarb 1912 von Busendorfer und Kaniner Bauern zunächst knapp 40 ha Wald. Er wurde parzelliert. In der Folge entstanden drei Siedlungskerne, die Brederecksche und die Willmannsche Siedlung sowie die Waldkolonie Borkwalde. Am 29. Januar 1932 wurden sie unter der Bezeichnung Borkwalde, die aber bereits vorher für die Gesamtheit der drei Teile inoffiziell verwendet wurde, zusammengeführt.
 
Die Einwohnerzahl wuchs nur langsam. Die Menschen verdienten ihr Geld als Handwerker wie Tischler, Zimmerleute und Schlosser oder als kleine Gewerbetreibende. Es wurde dazu im Speditionsgewerbe oder im Gartenbau gearbeitet; kleine Geschäfte erwarteten Kunden. Auch eine Konservenfabrikation produzierte. Der eine oder andere Künstler ließ sich in Borkwalde nieder. 1929 eröffnete eine erste Gaststätte. Ein Holzkirchlein in Ständerbauweise mit autarkem Glockenturm – in traditionellen Dörfern sind sie aus Stein, waren in der Regel Wehrkirchen und sind Jahrhunderte alt – wurde 1931 eingeweiht. 1933 bekamen die Borkwalder ihren Friedhof.
 
Die Zeit des Faschismus forderte auch von Borkwalde ihren Tribut. Es gab, wie überall,  eingefleischte Nazis und Mitläufer. Zur Ehre gereichte dem Ort stiller Widerstand. So verdankte eine jüdische Familie couragierten Bürgerinnen und Bürgern ihr Leben. In den letzten Apriltagen, im Zusammenhang mit dem gescheiterten Vorrücken der Armee Wenck der Wehrmacht auf Berlin, erreichte der faschistische Krieg noch Borkwalde. Der 17-jährige Soldat Toni Emser verlor im überstürzten Abzug sein Leben; sein von Anwohnern angelegtes Grab wird bis heute gepflegt. Nach der Befreiung durch die Rote Armee begann der Neuaufbau – unter größten Schwierigkeiten. An ihm nahmen auch Umsiedler, Flüchtlinge und Vertriebene teil, denen der faschistische Krieg ihre Heimat genommen hatte. Eine 1946 gegründete Gruppe der damals noch überparteilichen Freien Deutschen Jugend (FDJ) belebte das im Krieg brach liegende kulturelle Leben. Bald begann wieder der Betrieb in der örtlichen Schule; Unterricht war direkt im Dorf schon seit 1931 erteilt worden. Ein Sportplatz wurde gebaut, wovon heute jedoch nur noch der Straßenname “Am Sportplatz” zeugt. 1947 freuten sich die Borkwalder über eine KONSUM-Verkaufsstelle. 1962 empfing der erste Borkwalder Kindergarten seine Schützlinge. 1978 konnte ein neuer “KONSUM” seine Pforten öffnen, im Gebäude der vormaligen Schule. Dort waren ohnehin nur noch Schüler der 1. bis 4. Klasse beschult worden, die Älteren im Nachbarort Borkheide. 
 
In den Nachkriegsjahrzehnten entdeckten viele Werktätige Borkwalde als Erholungsort – mitten im Wald und gesegnet mit sauberer, frischer Luft. Wen wundert es, dass die Menschen besonders aus der Chemieregion Halle, Bitterfeld, Wolfen und Dessau kamen? Zum Teil hält ihre Liebe bzw. die ihrer Nachfahren zu unserem Ort bis heute. Von 1952 bis 1989 gehörte Borkwalde zum DDR-Bezirk Potsdam und zum Kreis Belzig.
 
Die Bevölkerungszahl aber sank: Von 763 im Jahre 1946 auf 379 im Jahre 1989. Viele, vor allem durch die Kriegswirren Hinzugezogene, suchten ihr Glück in den Städten oder gingen gänzlich außer Landes. Jene, die blieben, arbeiteten im Waldbau, im Sägewerk  (1991 geschlossen), in Borkheide im Schlachtbetrieb oder dem Möbelbau und auf dem nahen, 1956 übergebenen Truppenübungsplatz Lehnin oder waren Pendler, z.B. nach Potsdam oder Brandenburg/Havel. Heute existiert nur noch ein alt eingesessener Gewerbebetrieb, die 1942 gegründete Gärtnerei Stiehler. Für den Schutz vor Bränden sorgt die sehr engagierte Feuerwehr, deren Wurzeln bis in das Jahr 1931 zurückreichen.
 
Einen tiefen Einschnitt bedeutete die Vereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990. Ihr sichtbarstes Ergebnis für Borkwalde ist die Entstehung eines gänzlich neuen Ortsteils – der Holzhaussiedlung, im Volksmund auch Schweden-Siedlung oder Neu-Borkwalde genannt. Dies zog sehr viele Neubürgerinenn und -bürger an. Die junge Gemeinde besitzt auch eine recht junge Einwohnerschaft. Deshalb musste bereits in den 90er Jahren das bescheidene kleine Gebäude des Kindergartens einem modernen Neubau weichen. Der alte Sportplatz konnte nicht mehr genutzt werden, und so wurde ein Bolzplatz mit Kleinkindspielbereich im Ortszentrum geschaffen. Nunmehr zählt die Gemeinde rund 1500 Menschen. Nach ihrer erst gut 100-jährigen Geschichte bauen sie nun an der Zukunft von Borkwalde.
 
Geschrieben von: Admin_NU
Veröffentlicht am: 02.10.2017